Ordination

Kopalgasse 4-12/Stg. 42/6, 1110 Wien

Alle Kassen

ohne Voranmeldung
Mo und Mi 13:00 - 18:30
Di und Do 09:00 - 13:30

Telefonische Terminvereinbarung unter (+43) 01/749 22 01 oder über unsere
ONLINE TERMINBUCHUNG

Sterilisation der Frau = "Unterbindung" (die Tubenligatur)

Für detaillierte Informationen und eine persönliche Beratung vereinbaren Sie bitte einen Termin bei Dr. Frühmann

 

Vor- und Nachteile

Bislang galt die Tubenligatur als Mittel der Wahl zur definitiven Verhütung. Mit der Entwicklung neuerer Langzeitverhütungsmethoden muss diese Methode nun in Frage gestellt werden.

lächelnde Frau
© BAYER Austria Ges.m.b.H.

Langzeitstudien und neue Erkenntnisse weisen vermehrt auf die Nachteile der Tubenligatur (Unterbindung) hin (schließlich handelt es sich doch um eine verstümmelnde Operation).
Zu diesen zählen:

  • Psychosexuelle Probleme und der Wunsch nach Wiederherstellung der Fruchtbarkeit.
    Eine Studie (1) mit 11.233 Frauen zwischen 18 und 44 Jahren erhob, wie viele Frauen 14 Jahre nach dem Eingriff die Entscheidung bedauert haben.

    Das Ergebnis zeigt, dass 20,3% der Frauen unter 30 und 5,95 % der Frauen über 30 die Unterbindung nicht mehr durchführen lassen würden.

    Der Wunsch nach Wiederherstellung der Fruchtbarkeit war besonders groß (25%) bei Frauen, die nun in einer Konfliktsituation zum damaligen Partner stehen.

    Eine Arbeitsgruppe erhob in einer Studie mit 500 Frauen nach Tubenligatur und 500 Männern nach Vasektomie (bei der Vasektomie werden die Samenleiter durchtrennt), dass Angst und Depressionen in der Frauengruppe 3x und in der Männergruppe 5x so häufig auftraten als in Vergleichsgruppen (Teilnehmer/innen ohne Eingriff).

    Die Rate an IVF (künstliche Befruchtung) Behandlungen nach Tubenligaturen ist hoch. Besonders wenn die Tubenligatur unter 30 Jahren durchgeführt wurde und / oder im Zuge einer Sectio (Kaiserschnittentbindung). Es scheint, dass die gleichzeitige Unterbindung bei oder kurz nach der Geburt das Risiko des Bedauerns des Entschlusses erhöht.
    Gründe sind neuerlicher Kinderwunsch, neuer Partner oder Verlust des Kindes.

    Ebenso birgt die Tubenligatur die Gefahr eines vorzeitigen Eintritts in die Menopause (Wechsel), da bei der Operation die Blutversorgung der Ovarien verringert werden kann.
  • Schwangerschaften nach Tubenligatur:
    Durch eine 10-jähruge Nachbeobachtung ergab sich eine Fehlerrate (neuerliche Schwangerschaft) von 18 auf 1000 Operationen, sowie die Rate an ektopen Schwangerschaften (Schwangerschaften, welche sich außerhalb der Gebärmutter einnisten) bei 7.3 auf 1000 Eingriffe.
  • Operationsrisiken der Tubenligatur:
    1. Allgemeines Risiko
    2. Infektionsrisiko
    3. Risiko postoperativer Verwachsungen
    4. Blutungsrisiko
    5. Postoperativer Schmerz
    6. Verletzung des Darmes
    7. Uterusperforation (Verletzung der Gebärmutter)
    8. Mesosalpinxruptur (Riss der Bauchfellduplikatur um den Eileiter)
    9. Peritonitis (Bauchfellentzündung)
    10. Verletzung der großen Blutgefäße im Beckenraum
    11. Jeder operative Eingriff kann auch einen tödlichen Ausgang haben (sehr selten)

    In einer Studie von Jansen et.al. (2) die Komplikationsrate (Operationszwischenfälle / Folgen) zwischen 3,3 und 5,7 auf 1000 Eingriffe.

Insgesamt muss die Tubenligatur sehr kritisch bewertet werden, eine Abschätzung bezüglich der Operations- und Nebenwirkungsrisiken muss der Patientin mittels ausführlicher Information und Zeit ermöglicht werden.
Es muss genau abgewogen werden, ob nicht eine Alternative Verhütungsmethode die bessere Entscheidung für die Frau ist.

 

Literatur

Fertil report 4/2005 R. Wiborny
Zu1: HillisSD etal Obstetr Gynecol 1999.93.889-95
Zu 2: Jansen F. Obstetr Gyn survey 1997.53.619-20

Aus: Fertilreport 4/2005 von R. Wiborny