Akute Eierstockentzündung

Nach F. H. Netter
Was versteht man unter einer Eileiter bzw. Eierstockentzündung?
Streng genommen handelt es sich bei der Eileiterentzündung (Salpingitis) und der Eierstockentzündung (Oophoritis) um zwei verschiedene Erkrankungen. In der Realität kommt eine isolierte Entzündung des Eierstocks aber so gut wie nie vor, sondern entsteht in aller Regel aus einer Eileiterentzündung. Umgekehrt ist bei der Eierstockentzündung fast immer der Eileiter mit betroffen. Da beide Erkrankungen zudem noch die gleichen therapeutischen Konsequenzen haben, werden sie in aller Regel unter dem Begriff Adnexentzündung oder Adnexitis zusammengefasst.
Unter Adnexe versteht man die Anhangsorgane der Gebärmutter, also die Ovarien (Eierstöcke), in denen die Eier reifen, und die für den Transport des Eis zur Gebärmutter zuständigen Eileiter. Die Adnexitis gehört zu den häufigsten gynäkologischen Erkrankungen und betrifft fast ausschließlich Frauen im gebärfähigen Alter, am häufigsten zwischen dem 16. und dem 35. Lebensjahr. Nach heutigem Wissen sind für die Krankheit ausschließlich Infektionen mit verschiedenen Erregern verantwortlich.
Außerdem werden eine akute und eine chronische Form unterschieden. Von der chronischen Form spricht man, wenn nach der akuten Entzündung immer wieder Beschwerden auftreten. Ursache dafür ist meist eine zu spät begonnene oder nicht ausreichende Therapie. Unter Umständen kann die chronische Entzündung Monate bis Jahre anhalten und zu schweren Folgeerscheinungen wie Unfruchtbarkeit und ständigen Schmerzen führen.
Wie wird eine Akute Eierstockentzündung verursacht?
In den allermeisten Fällen ist die akute Eierstockentzündung Folge einer Infektion mit Bakterien, seltener mit Viren. Infektionen mit diesen Erregern ebnen aber den Weg für andere Bakterien, die sich auf dem entzündeten Gewebe leichter vermehren können. Deshalb sind die Adnexentzündungen oft Mischinfektionen, an denen verschiedene Bakterien beteiligt sind.
Je nachdem, wie die Keime zu den Adnexen gelangen, werden zwei verschiedene Infektionswege unterschieden. Bei der sehr viel häufigeren, aufsteigenden Infektion breiten sich die Bakterien über die Scheide und die Gebärmutter bis zu den Eileitern, und von dort weiter in die Eierstöcke aus. Die Scheiden- und die Gebärmutterentzündung verursachen allerdings nur sehr wenig Beschwerden und werden deshalb von den Frauen oft gar nicht bemerkt.
Von einer absteigenden Infektion spricht man dann, wenn die Krankheitserreger von entzündeten Nachbarorganen auf die Adnexe übergreifen, beispielsweise bei einer Blinddarmentzündung. Das kann durch den direkten Kontakt oder auf dem Weg über die Lymphbahnen geschehen. Eher die Ausnahme ist die hämatogene Infektion. Hier gelangen die Erreger über die Blutbahn in die Adnexe.
Symptome
Die Beschwerden einer akuten Adnexitis sind in ihrer Ausprägung sehr variabel. Manchmal verläuft die Infektion so symptomarm, dass sie von den betroffenen Frauen gar nicht bemerkt wird, ein andermal kann sie sogar lebensbedrohlich sein.
In den meisten Fällen beginnt die Krankheit mit plötzlich einsetzenden, starken Schmerzen im Unterbauch. Die Bauchdecke wirkt gespannt und ist besonders über der Gebärmutter und den Adnexen sehr druckempfindlich. Die gynäkologische Untersuchung bereitet vielen Patientinnen Schmerzen. Das Allgemeinbefinden ist stark beeinträchtigt, die Betroffenen klagen über Übelkeit und Brechreiz und haben meist Fieber. Abnorme vaginale Blutungen sowie stark riechender, eitriger Ausfluss aus der Scheide sind weitere Krankheitszeichen.
Wie stellt der Arzt die Diagnose?
Die wichtigsten Hinweise liefert das klinische Bild mit den starken Schmerzen im Unterbauch. Bei der Tastuntersuchung kann der Arzt vergrößerte und druckschmerzhafte Adnexen feststellen. Dann wird er einen Abstrich vom Gebärmutterhals nehmen, mit dem sich im Labor die Krankheitserreger nachweisen lassen.
Die Blutprobe zeigt die typischen Zeichen einer akuten Entzündung wie beschleunigte Blutsenkungsgeschwindigkeit, Erhöhung der Leukozyten (weiße Blutkörperchen) und den Anstieg charakteristischer Entzündungsproteine.
Mit einer Ultraschalluntersuchung (Sonografie) kann der Arzt nicht nur Hinweise auf eine Adnexitis, wie zum Beispiel Flüssigkeitsansammlungen in den Eileitern, erkennen, sondern auch andere Krankheiten wie Krebs oder eine Eileiterschwangerschaft ausschließen. Das ist sehr wichtig, da die Symptome sich sehr ähneln können.
Wie wird die Krankheit behandelt?
Wegen der Gefahr von Verwachsungen, Unfruchtbarkeit und anderen Folgeerkrankungen muss die Infektion frühzeitig und konsequent mit Antibiotika behandelt werden. Antibiotika sind Medikamente, die Bakterien als Ursache der Entzündung abtöten und damit deren weitere Ausbreitung im Körper verhindern.
Zusätzlich werden bei Eierstock- und Eileiterentzündungen entzündungshemmende Medikamente gegeben, die auch die Schmerzen lindern. Die Patientinnen müssen in den ersten Tagen unbedingt Bettruhe halten, ein Eisbeutel auf dem Unterbauch verhindert eine weitere Ausbreitung der Entzündung und hilft gegen die Schmerzen. Die Antibiotikatherapie darf erst beendet werden, wenn die akute Entzündung mit Sicherheit abgeklungen ist, was in der Regel eine bis zwei Wochen dauert. Dann schließt sich unter Umständen noch eine Wärmebehandlung an, die hilft, das entzündlich veränderte Gewebe abzubauen und so Vernarbungen entgegenzuwirken.
Wie sind die Heilungsaussichten und welche Folgeerkrankungen drohen?
Wenn die akute Adnexitis schnell und konsequent behandelt wird, sind die Heilungschancen sehr gut, über 80 Prozent der Betroffenen verspüren nach der medikamentösen Therapie keine weiteren Beschwerden. Allerdings darf die Krankheit auf keinen Fall unterschätzt werden. Bei unzureichender Behandlung kann sich die Entzündung auf den gesamten Bauchraum ausbreiten und lebensgefährliche Komplikationen, beispielsweise eine Bauchfellentzündung (Peritonitis) oder einen Darmverschluss, zur Folge haben.
Je länger die Infektion besteht, desto größer ist außerdem das Risiko einer Chronifizierung. Es bilden sich Narben und Verwachsungen, die immer wieder Beschwerden verursachen.
Eileiterentzündungen sind zudem eine häufige Ursache für unerfüllten Kinderwunsch. Durch die Entzündung verkleben die Eileiter, der Transport der Eizelle zur Gebärmutter ist behindert oder vollständig unterbrochen, die Frau kann keine Kinder mehr bekommen. Zudem steigt die Gefahr einer Eileiterschwangerschaft.