Tabuthema Scheideninfektionen

© Petersen EE Journal für Urologie und Urugynäkologie 2008
Der Scheidenausfluss nimmt zu, begleitet von fremdem Geruch. Mitunter haben die betroffenen Frauen auch Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. Zeichen für eine Scheideninfektion, im Fachjargon auch Gardnerella oder bakterielle Vaginose genannt.
Zwischen Beschwerden, Schamgefühl und Schuldzuweisungen bleibt oft die Frage: Wie kam es dazu? Der Sexualpartner und die Klobrille sind jedenfalls unschuldig. Es gibt viele Wege, aber nur eine Ursache: Ein Mangel an Milchsäurebakterien in der Vaginalflora. Ist diese aus dem Gleichgewicht, erhöht sich die Anfälligkeit für Infektionen. So kann es dann passieren, dass man nach einem gemütlichen Badetag mit den unangenehmen Symptomen konfrontiert ist.
Einflussfaktoren
Gestört wird die Vaginalflora etwa durch hormonelle Schwankungen (Pille, Menstruation, Wechseljahre), aber auch durch Antibiotika-Therapien, Schwangerschaft und Diabetes. Enge Kleidung oder psychische Faktoren wie Stress können das Scheidenmilieu auch negativ beeinflussen. Die Gardnerella-Infektion ist jedoch nicht zu verwechseln mit einer Pilzinfektion.
Bei Verdacht einer Scheideninfektion gilt es, in jedem Fall den Frauenarzt zu konsultieren. Bei einer Gardnerella-Infektion ist eine Behandlung mit Antibiotika notwendig. Pilz-Infektionen bekämpft man mit Anti-Pilz-Mitteln (Zäpfchen oder Tabletten). Danach gilt es in beiden Fällen, die Scheidenflora wieder aufzubauen – und im Gleichgewicht zu halten.
Tipps für eine gesunde Scheidenflora
Bakterien und Pilze haben es gerne feucht und warm – im Scheidenbereich siedeln sie sich daher besonders gerne an. Daher gilt es, die Intimregion sauber und trocken zu halten. Also sollte man lieber luftige Baumwollunterwäsche statt enge Unterhosen aus synthetischen Stoffen tragen. Vor übertriebener Hygiene mit Intimdeos und Feuchttüchern wird abgeraten. Tampons sollten bei einer trockenen Scheide nicht verwendet werden. Ansonsten sollte man sie alle zwei bis drei Stunden wechseln – vor allem sofort nach dem Schwimmen. Auch die Ernährung hat einen Einfluss: Pilze lieben etwa Süßes und weißes Mehl.
Vorbeugend und auch nach Antibiotika-Behandlungen ist es ratsam, die Scheidenflora mit Milchsäurebakterien (etwa in Kapselform) zu stärken.
Zitiert aus KURIER Artikel vom 05.08.2010 (Laila Daneshmandi)