Ureoplasmen (Ureaplasma urealyticum)
Ureaplasma urealyticum ist ein Bakterium, das zur Familie der Mykoplasmen gehört.

Beschreibung
Dieser fakultativ pathogene Mikroorganismus kann Bestandteil der Urogenitalflora bei Mann und Frau sein. Ureaplasma urealyticum besitzt keine Zellwand, womit es gegenüber einigen Antibiotika (z.B. Penicillin) resistent ist. Die Inkubationszeit betragt ca. 10 bis 14 Tage.
Symptome
Das Bakterium kann zahlreiche Krankheiten verursachen:
- unspezifische Harnröhrenentzündung
- Blasenentzündung (Zystitis)
- Prostataentzündung (Prostatitis)
- Hodenentzündung (Orchitis)
- Unfruchtbarkeit
- Neugeborenensepsis (Chorioamnionitis)
- vorzeitige Geburt
- in der perinatalen Periode auch eine Pneumonie oder eine Meningitis
Bei Frauen besiedeln sie den unteren weiblichen Genitaltrakt und können bei der Geburt häufig von der Mutter auf das Kind übertragen werden, bei dem sie u. a. die Ursache für Pneumonien oder chronische Infektionen des zentralen Nervensystems sein können. Bei Männern kann es bei Nichtbehandlung zu einer um sich greifenden Infektion kommen, die in der Harnröhre anfängt, dann zu einer Blasenentzündung führt, dann werden Prostata und Hoden sowie eventuell als Komplikation die Nieren angegriffen. Die Hodeninfektion kann zur Sterilität führen und geht meistens mit Fieber und starken Schmerzen einher.

Nachweis
Der Nachweis gelingt im Normalfall nur über einen Abstrich und nicht mittels eines Urintests. In der Praxis wird oft aus Bequemlichkeit oder Unwissenheit der Nachweis nur über den Urin oder Sperma versucht, was zu einem negativem Ergebnis führt. Diese Fehldiagnose kann bei Patienten zu fatalen Folgen führen.
Behandlung
Je nach Ausprägung der Infektion wird 21 bis 28 Tage mit Antibiotika behandelt. Zwangsläufig muss auch eine Partnerbehandlung stattfinden, um einer erneuten Ansteckung via Geschlechtsverkehr vorzubeugen. Meistens werden Doxycyclin aus der Gruppe der Tetracycline oder Antibiotika aus der Gruppe der Makrolide verwendet. Die Heilungschancen gelten im Allgemeinen als gut.
Mykoplasmen
Mykoplasmen sind winzige Bakterien, die beim Menschen eine Reihe von Erkrankungen des Urogenitaltraktes und der Atemwege verursachen. Ein Teil von ihnen lebt friedlich auf den Genitalschleimhäuten, ohne dass wir etwas davon merken. Manchmal lösen sie jedoch Krankheiten aus.
Anders als die übrigen Bakterien besitzen sie statt der Zellwand nur eine dünne Membran. Die Klasse, der sie zugehören, wird deshalb auch als Mollicutes („Weichhäuter“) bezeichnet. Sie sind auf Wirtsorganismen angewiesen. Ihre winzige Größe, Einfachheit und fehlende Zellwand und damit Verformbarkeit rüsten sie optimal für ihr Parasitendasein aus und ermöglichen es ihnen, sich eng an die Membranen der Wirtszellen anzuheften, bei Bedarf aber auch durch Gleitbewegungen mobil zu werden. Diese Überlebensmechanismen scheinen sehr effektiv zu sein – die Mollicutes sind schätzungsweise bereits 65 Millionen Jahre alt.
Harte Fakten und dunkle Ziffern
Für den Menschen relevante Erreger sind die Mycoplasma hominis und Ureaplasma urealyticum
für Urogenitalinfektionen sowie Mycoplasma pneumoniae für atypische Lungenentzündungen.
Während letzterer Keim immer krankheitsauslösend ist, sind die beiden anderen sog. Kommensalen, d.h. sie leben normalerweise auf ihrem Wirt, ohne ihn zu schädigen. Manchmal jedoch lösen sie eine lokale Entzündung, v.a.
- der Harnröhre (Urethritis),
- aber auch der Prostata,
- des Nierenbeckens,
- der Scheide oder Gebärmutter aus.
Auch fortschreitende Infektionen mit Fieber und Allgemeinsymptomen können auftreten und sogar für Gelenkentzündungen z.B. das Reiter-Syndrom scheinen die Erreger verantwortlich zu sein. Ursache ist vermutlich eine verminderte lokale oder allgemeine Schwäche der Immunabwehr z.B. im Rahmen einer Antibiotikatherapie, Krebserkrankung oder nach einer Operation oder Geburt.
Mykoplasmeninfektionen gehören zu den sexuell übertragbaren Krankheiten, werden also beim Geschlechtsverkehr weitergegeben. Zudem werden Ureaplasma urealyticum zu über 50% während der Schwangerschaft bzw. Geburt auf das Kind übertragen. Mögliche Folgen sind niedriges Geburtsgewicht, Frühgeburt sowie Atemwegs- und Hirnhautinfektionen des Neugeborenen. Ob Mykoplasmen auch für Fehlgeburten und Unfruchtbarkeit verantwortlich gemacht werden können, ist umstritten. Ob und wie viele Mykoplasmen sich auf den Genitalschleimhäuten häuslich niederlassen, hängt stark von der sexuellen Aktivität und Anzahl der Geschlechtspartner ab. So sind sie bei bis zu drei Vierteln der Frauen und bis zu 45% der Männer mit häufig wechselndem Geschlechtsverkehr zu finden. Im Laufe des Lebens scheinen die Meisten in Kontakt mit den Keimen gekommen zu sein – bei fast 95% von Personen mittleren Alters sind im Blut Antikörper gegen Mykoplasmen nachweisbar.
Symptome
Die Beschwerden sind meist gering und uncharakteristisch. Sie hängen davon ab, wo sich die Entzündung abspielt (Scheide, Blase, Harnleiter, Prostata, Nieren, Nierenbecken, Eileiter, Eierstöcke). Häufigste Symptome sind gesteigerter Harndrang, Beschwerden und Brennen beim Wasserlassen, gelblicher Ausfluss (Urethritis) und Schmerzen in der Nierengegend (Pyelonephritis).
Nachweis und Therapie
Da Mykoplasmen auch bei vielen Gesunden vorkommen, ist es nicht immer einfach zu klären, ob sie wirklich die Krankheitsursache sind. Werden beim Kind Ureaplasmen nachgewiesen, kann dies ein Hinweis auf sexuellen Missbrauch sein. Nachweisbar sind die Keime durch Anzüchtung auf
Nährböden. Als Untersuchungsmaterial dient dabei vom Mann Urin, Ejakulat, Prostatasekret oder ein Abstrich aus der Harnröhre, bei der Frau Urin oder Abstriche aus Scheide, Gebärmutterhals oder Harnröhre, bei Schwangeren auch Fruchtwasser oder Abstriche der Eihaut. Das Ergebnis liegt nach spätestens 6 Tagen vor. Die Behandlung erfolgt bei Krankheitssymptomen mit Antibiotika. Allerdings sind nicht alle geeignet, da Mittel wie Penicillin die Zellwände angreifen. Da Mykoplasmen keine besitzen, muss auf Therapeutika mit anderen Wirkmechanismen zurückgegriffen werden (z.B. Erythromycin). Um eine erneute Infektion zu vermeiden, sollten die Sexualpartner mitbehandelt werden, auch wenn sie keine Beschwerden haben.
- Mycoplasma hominis und Ureaplasma urealyticum siedeln auch bei Gesunden auf den Genitalschleimhäuten.
- Sie können v.a. Entzündungen des Urogenitaltrakts auslösen.
- Die Infektion erfolgt durch ungeschützten Geschlechtsverkehr oder in der Schwangerschaft von der Mutter auf das Kind.
- Die Therapie erfolgt bei Krankheitssymptomen mit Antibiotika.
- Die Sexualpartner sollten mitbehandelt werden.