Wechseljahre
Die folgende Information soll Ihnen alle aktuellen Fragen zum Thema Hormonersatztherapie (kurz HET) beantworten, Ihnen dabei helfen, Ihren Körper in der Zeit der hormonellen Umstellung besser zu verstehen und Ihnen den Übergang in diesen neuen und interessanten Lebensabschnitt erleichtern.
1. Die Wechseljahre – ein neuer Lebensabschnitt beginnt
Die Menopause, der Zeitpunkt der letzten Monatsblutung, der erst ein Jahr im Nachhinein festgelegt werden kann, ist ein Wendepunkt im Leben jeder Frau. Viele Frauen haben Angst vor diesem neuen Lebensabschnitt, weil sie nicht genau wissen, was jetzt auf sie zukommt und was mit ihnen vor sich geht. Es ist eine zwiespältige Situation: einerseits bleibt die Regel aus und sie müssen nun nicht mehr an Verhütung denken, andererseits kann es aber zu unangenehmen klimakterischen Beschwerden kommen, die so ausgeprägt sein können, dass das allgemeine Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit stark beeinträchtigt werden. Die Lebensqualität erleidet einen Einbruch und die Furcht vor dem Älterwerden und was damit verbunden ist, steigt.
Ihr Leben kann aber nach der Menopause mindestens genauso interessant sein wie zuvor!
Denn je mehr Sie über die Funktion Ihrer körpereigenen Hormone und die mit den Wechseljahren zusammenhängenden Veränderungen wissen, desto leichter werden Sie den richtigen Weg finden, um Ihre Lebensqualität zu erhalten oder wieder zu verbessern.
2. Was sind eigentlich die Wechseljahre?
Die Wechseljahre oder das Klimakterium beginnen zwischen dem 45. und dem 50. Lebensjahr. Zu dieser Zeit nimmt die Fruchtbarkeit der Frau ab, weil in den Eierstöcken immer weniger Östrogene produziert werden. Das Progesteron (Gelbkörperhormon) wird meist nur noch unzureichend gebildet und so verändert sich der Hormonhaushalt entscheidend.
Während dieser Zeitspanne, auch Prämenopause genannt, treten häufig unregelmäßige (längere oder kürzere) Zyklen und lange starke, teilweise schmerzhafte Monatsblutungen auf.
Ein Jahr nach der Menopause, der letzten spontanen Monatsblutung, beginnt die Postmenopause, in der die im nächsten Abschnitt genannten Beschwerden verstärkt auftreten können, die durch eine HET gebessert oder beseitigt werden. Etwa nach 15 Jahren beginnt dann das Senium.
3. Woran erkennen Sie die Wechseljahre?
Die hormonellen Schwankungen (vor allem der Mangel an Östrogenen) können die sogenannten vegetativen Gehirnzentren, die die Körpertemperatur und den Kreislauf regulieren, so irritieren, dass bestimmte unerwünschte Symptome hervorgerufen werden. Auch psychische Veränderungen können auftreten. Im Folgenden finden Sie eine Aufstellung der wichtigsten Beschwerden. Seien Sie beruhigt: nur sehr selten kommen alle Symptome gleichzeitig vor, ihre Zahl und Ausprägung variiert von Frau zu Frau:
Psychische Veränderungen
- Stimmungsschwankungen, Launenhaftigkeit
- Ängstlichkeit, Irritierbarkeit, Nervosität
- Konzentrationsschwierigkeiten, Gedächtnislücken
- Müdigkeit, Antriebslosigkeit
- Depressive Verstimmung, weniger sexuelle Lust (Libido)
Vegetative Störungen
- Hitzewallungen mit Rötungen im Gesicht und am Hals
- Schweißausbrüche
- „Ameisenlaufen“ in Armen und Beinen
- Schwindelgefühl
- Herzrasen
Der Östrogenmangel in den Wechseljahren bringt nicht nur die zuvor aufgeführten Beeinträchtigungen der Lebensqualität und gesundheitliche Störungen, sondern auch körperliche Veränderungen mit sich.
Die Elastizität der Haut lässt nach, die Schleimhäute werden trockener, da die Produktion der Vaginalsekrete abnimmt, und die Scheidenwände werden dünner. Juckreiz, Infektionen sowie Schmerzen beim Geschlechtsverkehr können die
Folge sein.
Als Konsequenz meiden betroffene Frauen oftmals den sexuellen Kontakt.
Außerdem kann der Harndrang häufiger und dringender werden; in seltenen Fällen kann es zu einem unwillkürkichen Abgang von Urin (Inkontinenz) kommen. Mögliche Spätfolgen des Hormonmangel, die auftreten können, sollen nachfolgend beschrieben werden.
Osteoporose und Ihre Auswirkungen
Sie ist eine Erkrankung, bei der die Knochenmasse abnimmt; damit steigt das Risiko von Knochenbrüchen. Davon betroffen sind die Oberschenkelhalsknochen und die Wirbelkörper, deren Einbrüche im Extremfall zu einer stark vorgebeugten Körperhaltung, dem sogenannten „Witwenbuckel“, führen. Bei Frauen im Klimakterium sind 35% aller Knochenbrüche auf eine Osteporose zurückzuführen.
Dabei ist der Verlust an Knochenmasse in den ersten Jahren nach der Menopause am größten. Obwohl die erwähnten Auswirkungen ungefähr erst mit dem 70. Lebensjahr auftreten, sollten Sie rechtzeitig vorbeugen und gleich zu Beginn Ihrer Wechseljahre die richtigen Maßnahmen ergreifen. Die Osteoporose kann im Prinzip alle Frauen betreffen, doch manche davon stärker.
Frauen mit erhöhtem Risiko für Osteoporose sind insbesondere
- Schlanke Frauen
- Frauen aus Familien, wo diese Krankheit bereits diagnostiziert wurde
- Starke Raucherinnen
- Frauen, die regelmäßig Alkohol trinken
- Frauen, die zu wenig sportlich aktiv sind
- Frauen, die vorzeitig in die Menopause gekommen sind
- Frauen, denen die Eierstöcke entfernt werden mussten
- Frauen, die zu wenig Nahrungsmittel mit knochenbildendem Kalzium zu sich nehmen (Milch, fettarmer Käse, Jogurt, etc).
4. Herz-Kreislauferkrankungen
In Österreich sind Herz-Kreislauferkrankungen die häufigste Todesursache bei Frauen (wesentlich häufiger als alle Krebsarten zusammengenommen). Dabei gibt es einen Zusammenhang zwischen Östrogenmangel und dem erhöhten Risiko einer Herz-Kreislauferkrankung. Denn die natürliche Menge an Östrogenen hat einen positiven Einfluss auf die Blutfettwerte, insbesondere auf das „gute“ Cholesterin (HOL) und auf die Blutgefäße, die erweitert werden und somit die Durchblutung fördern und weniger verkalken. Der Östrogenmangel dagegen führt zu einer Abnahme dieser positiven Effekte, womit sich längerfristig das Risiko von Arteriosklerose (Ablagerungen in den Blutgefäßen) und somit auch von Herzinfarkten beziehungsweise Schlaganfällen erhöhen kann.
5. Weitere Folgen der Wechseljahre
Die folgenden durch den erwähnten Hormonmangel bedingten Symptome sind besonders wichtig, weil sie meistens auch mit einer seelischen Belastung einhergehen können, die oft nicht mit einem Östrogenmangel in Zusammenhang gebracht wird:
- Konzentrationsschwierigkeiten: Die Östrogene haben positive Auswirkungen auf verschiedenste Bereiche unserer Gehirntätigkeit, vor allem auf das Gedächtnis und die Konzentrationsfähigkeit. Der durch das Klimakterium bedingte Östrogenmangel kann dann sowohl kurzfristig als auch langfristig Gedächtnislücken bzw. allgemeine Gedächtnisschwäche zur Folge haben.
- Veränderungen bei Haut und Haaren: Eine Frau produziert auch geringe Mengen an männlichen Hormonen (Androgene); während der fruchtbaren Phase besteht ein Gleichgewicht zwischen Androgenen und Östrogenen. Zu Beginn der Wechseljahre jedoch führt die Abnahme der Östrogenkonzentration zu einem relativ höheren Androgenanteil. Das hat zur Folge, dass bei einigen Frauen Haut und Haare fettiger werden und wie in der Pubertät (wieder oder auch erstmalig)Akne auftritt; Haarausfall am Kopf oder störender Haarwuchs im unteren Gesichtsbereich (sogenannter Damenbart) können eine weitere Folge davon sein. Außerdem verursacht der Mangel an Östrogenen eine Abnahme des Kollagens und der elastischen Fasern in der Haut – die Haut wird dünner, sensibler und faltiger.
6. Wie kann man den Hormonmangel ausgleichen?
Um die Beschwerden in den Wechseljahren zu behandeln und auch den Spätfolgen des Östrogenmangels vorzubeugen, gibt es heute moderne Hormonpräparate. Sie enthalten natürliches Östrogen und möglichst Gestagene, die dem natürlichen Progesteron sehr ähnlich sind. Das Prinzip der Hormonersatztherapie mit diesen Präparaten besteht darin, die fehlenden Hormone, die Ihr Körper nicht mehr selber produzieren kann, auf möglichst natürliche Weise zu ergänzen, um das hormonelle Gleichgewicht wieder herzustellen und somit die durch die Wechseljahre verursachten Beeinträchtigungen zu reduzieren oder sogar ganz zu beseitigen.
7. Hat man unter einer Hormonersatztherapie wieder Blutungen?
Menstruationsähnliche Blutungen sind von den meisten Frauen nach der Menopause nicht mehr erwünscht. Ein niedrig dosiertes, mit Östrogen und Gestagen kontinuierlich kombiniertes Präparat, das ohne Pause eingenommen wird, löst im Normalfall keine Regelblutungen mehr aus. In den ersten Monaten kann es allerdings unter Einnahme
von HET-Präparaten, zu Zwischenblutungen kommen, die mit längerer Einnahmedauer meistens ganz verschwinden.
Wichtig: Bei Unregelmäßigkeiten (zum Beispiel plötzliches Auftreten von Blutungen nach mehreren blutungsfreien Monaten, ständiges Auftreten von Zwischenblutungen), sollten Sie Ihren Arzt aufsuchen.
8. Die Zelt ab 50 – Der Anfang eines neuen Lebens!
Nach der Menopause fängt für Sie ein neuer Lebensabschnitt an. Deshalb ist es ganz wichtig, dass Sie mehr für Ihren Körper und Ihr Wohlbefinden tun:
- Regelmäßige Bewegung
- Gesunde Ernährung
- Mäßiger Nikotin- und Alkoholkonsum
Reduzieren das Risiko von Osteoporose, Herz-Kreislauferkrankungen und auch Krebs. Eine HET, die ein natürliches Östrogen mit einem modernen, dem Gelbkörperhormon sehr ähnlich wirkenden Gestagen (Drospirenon) kombiniert, kann dabei helfen, Ihre Gesundheit, Ihre Lebensqualität und Ihr Wohlbefinden entscheidend zu verbessern.
9. Hormonersatztherpie und Brustkrebs
In letzter Zeit konnte man in den Medien sehr viel über die Hormonersatztherapie und ihre Risiken und weniger über ihren Nutzen lesen. Woran lag das? Es sind Ergebnisse aus klinischen Studien veröffentlicht worden, die auf eine leichte Zunahme von Brustkrebs hinweisen.
Dabei ist wichtig zu wissen, dass HET Brustkrebs nicht verursacht, sondern das Wachstum von bereits bestehenden Tumoren im Brustdrüsengewebe fördern kann. Die Entstehung neuer Tumore scheint sie nicht auszulösen: In entsprechenden Studien wurde belegt, dass kurz nach Absetzen einer HET das Risiko wieder gleich hoch ist, wie vor der Einnahme, so als hätte man nie eine HET angewendet.
Statistisch gesehen erkranken in den Industrieländern zwischen dem 50. und 70. Lebensjahr etwa 45 von 1000 Frauen, die nie eine HET angewendet haben, an diesem Karzinom. Nach aktuellem Wissenstand erkranken zusätzlich 2 Frauen (also 47), wenn eine HET bis 5 Jahre durchgeführt wird, zusätzlich 6 (also 51) bei HET zwischen 5 und 10 Jahren.
In diesem Zusammenhang ist auch darauf hinzuweisen, dass regelmäßiger Alkoholkonsum, Bewegungsmangel und Übergewicht das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, in wesentlich höherem Ausmaß beeinflussen. Gesundheitsbewusste Lebensführung und regelmäßige körperliche Betätigung fördern nicht nur das Wohlbefinden, sondern senken auch das Risiko für Krebs sowie Herz-Kreislauferkrankungen.
Wichtig: Regelmäßige Kontrolluntersuchungen bei Ihrem Arzt (mindestens einmal pro Jahr) werden ebenfalls dazu beitragen, Ihr persönliches Risiko so gering wie möglich zu halten und weiterhin die Vorzüge einer HET zu genießen.
Ein wichtiger Hinweis zum Schluss
Wenn Sie während Ihrer Wechseljahre unter Beschwerden leiden, sprechen Sie Ihren Arzt auf Ihre Probleme an und stellen Sie offen Ihre Fragen, die Sie belasten. Wenn er eine HET für notwendig hält, wird er Sie über die Vor- und Nachteile von Hormonen informieren.